HOWLING LARSENS / NICOLAOS LYMPEROPOULOUS: Parmenides Proem

Vor zirka zweieinhalb Jahrtausenden befasste sich im süditalienischen Elea, das damals dem griechischen Kulturraum angehörte, ein Weiser namens Parmenides mit Reflexionen, die man später, vielleicht aber auch schon damals Philosophie nannte. Wie viele Aufzeichnungen es von ihm oder über ihn gegeben hat, ist ungewiss, ein (eventuell fragmentarischer) Text allerdings existiert und zählt bis heute zu den wichtigsten Traktaten der Geistesgeschichte. Unter dem Titel „Über die Natur“ Weiterlesen

If you’re writing music, you write what’s inside of you. Interview mit der Musikerin und Kuratorin R. Loftiss

Als im vergangenen Jahrzehnt grade Folkmusik in aller Munde war, gerieten neben den großen Hypes und dem obligatorischen Mittelmaß auch ein paar obskure Gewächse in den Fokus, denen aufgrund ihrer Sperrigkeit und ihrer Unscheinbarkeit die Aufmerksamkeit großer Magazine versagt blieb. Zu diesen Gewächsen zählte auch das Projekt mit dem mysteriösen Namen The Gray Field Recordings, dessen Musik nur schwer einzuordnen war: Neben filigranen Melodien auf der Weiterlesen

V.A.: In The Cities Of Your Eyes

Im Booklet der vorliegenden Compilation findet sich ein Gedicht, in dem die Zeile „In the Cities of your Eyes“ vorkommt, der Verfasser ist der syrische Dichter Nizar Qabbani, und man kann kaum umhin, diese wenigen Zeilen über die Heimatlosigkeit und die Suche auf die Menschen in den Flüchtlingscamps auf den griechischen Dodekanes-Inseln zu übertragen, denen der Sampler gewidmet ist. Um welche Städte es da wohl geht – kündet der Vers von der Erinnerung an die Orte der Herkunft, die sich unverkennbar in die Gesichter der Geflohenen eingebrannt hat? Oder eher von der Sehnsucht nach den unbestimmten Orten der Zukunft, falls man sie denn je erreichen wird? Manchmal hat es sicher mehr Weiterlesen

BLACK LESBIAN FISHERMEN: ectopic apiari

Vom Namen her stapeln die Black Lesbian Fishermen zunächst einmal ziemlich hoch, denn von den vier Bandmitgliedern ist nur einer wirklich lesbisch, nämlich der Bassist Stratis Sgourellis, der auf der Insel Lesbos zur Welt kam und dort lebte, bis er sich an einer Uni in Padmos einschrieb. Der Rest des Quartetts ist entweder auf dem griechischen Festland oder auf der Insel Euböa unterwegs, zu allem Überfluss sind die vier nicht einmal durchgehend männlich, auch wenn die einzige Frau an Bord ihren Namen dezent mit R. abkürzt. Doch nur soviel zur – um im Bildbereich griechischer Geografie zu bleiben Weiterlesen

ORCHIS: A Dream

Die Geschichte des World Serpent-Vertriebes ist eine Geschichte von Licht und Schatten, in deren Verlauf so manche musikalische Wegmarke gesetzt wurde, aber auch eine Reihe an mittelmäßigen Erzeugnissen zu Ruhm gelangten. Im Schatten der großen Namen, mit denen jeder Musikinteressierte heute etwas verbindet, gediehen auch eine Reihe an unscheinbareren Geheimtipps, die musikalisch oft etwas spröder waren und sich schwerer zuordnen ließen. In diese Gruppe gehörte auch die Folkband Orchis, die mit WSD besonders verknüpft war, da Mitinhaber Alan Trench zugleich eine ihrer treibenden Kräfte war. Weiterlesen

HOWLING LARSENS: Fool of Sound and Furry

Stellt man die Howling Larsens als eine Band vor, deren Hauptbesetzung ansonsten bei Orchis und The Gray Field Recordings aktiv ist, dann rechnen viele wohl erst einmal mit akustischen Gitarren, ätherischem Gesang und allen möglichen Begleiterscheinungen, die dunkle, entrückte Folkmusik so mit sich bringt. Bei den hörspielartigen Dialogen, die vor kunstvoll arrangierten Klanglandschaften voll plastischer Alltagsgeräusche geführt werden, denkt man vielleicht sogar an die berühmte falsche Platte, die man versehentlich im Player hat. Selbst ab dem Moment, wenn Weiterlesen

TEMPLE MUSIC: Children Of The Sun

Wer mit Temple Music lediglich Alte Musik und eine relativ abstrakte Neuinterpretation von Folklore in Verbindung bringt, der darf beim aktuellen Longplayer ein paar Überraschungen erleben. Orchis-Gründer Alan Trench und Bandkollege Stephen Robinson sind nicht nur Experten und Virtuosen des Folk, sondern auch Kinder der Punk- und New Wave-Ära, und nichts schlägt einem mehr entgegen als dies, wenn man ohne besondere Erwartung die ersten Takte von “Children of the Sun” vernimmt. Temple Music überraschen hier nämlich mit einem Weiterlesen