VALERIO COSI: Plays Popol Vuh

Tribute-Alben sind seltener geworden, was sicher auch daran liegt, dass die enorme Retrowelle, die sich schon in den 90ern ankündigte und im neuen Jahrtausend ganze Genres hervorbrachte, so langsam am Abebben ist und viele deshalb vor allzu deutlichen Referenzen zurückschrecken. Doch vielleicht ist dies ja gerade der geeignete Zeitpunkt, dem zwielichtigen Schwelgen in zitathafter Nostalgie eine Absage zu erteilen und stattdessen wirklich relevante Bezüge dezidierter aufzuarbeiten. Weiterlesen

MOMBU: Niger

Sollte es eine Wahl zum sympathischsten Cover des Jahres geben, dann sollten definitiv auch die römischen Tikicore-Jazzer Mombu dafür kandidieren. Die Gestaltung ihres neuen Longplayers „Niger“ ist eine liebevoll-spackige Hommage an diverse Metal-Idole, darüber hinaus die perfekte Einführung in den eigenen Themenkosmos. Mit Tenorsaxophon und einer gewaltigen Drumsection beschwört das Duo aus dem Dunstkreis der legendären Zu ein weiteres mal die Geister einer exotischen Parallelwelt. Was daraus entsteht ist die musikalische Entsprechung eines grindigen Comics, dessen Schauplatz diesmal Weiterlesen

MACELLERIA MOBILE DI MEZZANOTTE: Hard Boiled Night Club

Selten machen Klischees so großen Spaß wie bei Macelleria Mobile di Mezzanotte, kurz MMM, dem hörspielartigen Musikprojekt des fabulierenden Ganoven Adriano Vincenti. Der Bandname bedeutet „Fleischlieferung um Mitternacht“, und sicher kennt der eine oder andere die Splatternovelle gleichen Namens aus der Feder von Clive Barker, die vor einigen Jahren dann auch verfilmt wurde. Vincentis Musik, die er selbst ganz treffend Crime Jazz oder Swing Noir nennt, schickt den Hörer jedoch gleich noch ein paar Dekaden weiter zurück in die Filmgeschichte – in eine Welt Weiterlesen

NINA SIMONE: The Ultimate

In ihrer Interpretation des „Sinnerman“, die zu den aufwühlendsten und mitreißendsten Liedern der Welt zählt, lieh Nina Simone nicht nur dem von Gott abgefallenen und verzweifelt um Erlösung flehendem Sünder ihre herbe Stimme – sie ließ das Gefühl kosmischer Unbehaustheit auch mit dem wütend in die Welt geschleuderten Wort „Power“ zusammenprallen. Dieses Hand in Hand-Gehen von Verzweiflung und Aufbegehren mag ein ganz ursprünglicher Zug der sogenannten negro spirituals sein (man denke an den „Freedom“ skandierenden Ritchie Havens während seiner Darbietung von „Motherless Child“ in Woodstock) Weiterlesen

MAGDA MAYAS & CHRISTINE ABDELNOUR: Myriad

Klavier und Altsaxophon scheinen für einander geschaffen, zahllose Bandkonstellationen und Duette beweisen das stets aufs neue. Dass es im Bereich freier Improvisation immer noch möglich ist, neues und überraschendes aus ihrem Zusammenspiel herauszuholen, demonstrieren derzeit die Berliner Pianistin Magda Mayas und die in Frankreich lebende Saxophonistin Christine Abdelnour, bislang auch bekannt mit dem Zweitnamen Sehnaoui. Im Zuge ihrer häufigen Konzerte führte ihr Weg auch auf das Meteo Festival im französischen Mulhouse. Der bei Radio France übertragene Live-Mitschnitt ist im Rahmen der Unsounds-Reihe nun auch als Tonträger unter dem Titel „Myriad“ erschienen. Weiterlesen

MOMBU: Zombi

Mombu hatten bereits letzten Sommer debütiert und wurden in der Zwischenzeit von einigen als die Jazzcore-Hoffnung des neuen Jahrzehnts gefeiert. Mombu? Richtig, hierzulande hat man von der Begeisterung noch nicht allzuviel Wind bekommen, zumal es sich auch weniger um einen Hype, als mehr um ein Raunen in Spezialistenkreisen handelte. Mombu ist ein in Rom ansässiges Duo, bestehend aus dem Saxophonisten Luca T. Mai und dem Drummer Antonio Zitarelli, die sich bereits in bekannteren Gruppen (Zu, Neo) einen Namen gemacht haben. “Zombi” ist nicht ihr zweites Album, sondern eine im Tracklisting leicht erweiterte Neuauflage ihres Erstlings. Ich unterstelle mal keine bösen Absichten. Weiterlesen

DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES: Métamanoir

Nach der immensen Aufmerksamkeit, die dem dunklen Sound des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles und seinem Pendant im Zeichen des Mount Fuji zuteil wurde, hätte man fast vergessen können, dass es noch ein weiteres, wenn auch kleineres Gebirgsmassiv gibt, das zumindest indirekt als Namensgeber eines bizarren Zeitlupengroove fungiert: Gemeint sind die fiktiven Twin Peaks aus der gleichnamigen Serie von David Lynch. Vor ihrer Kulisse versuchte ein FBI-Agent namens Dale Cooper einen myteriösen Mord aufzuklären. Weiterlesen

SALLY DOHERTY & PAUL KILVINGTON: Silent Spaces

Es gibt wohl kaum einen Musiker, der nicht irgendwann einmal als Fan angefangen hat und später auf die Idee kam, etwas ganz Ähnliches zu machen wie diejenigen, die das eigene empfängliche Gemüt mit so viel Bedeutung nährten. Bei eigenständigeren Künstlern spürt man die Einflüsse eher indirekt, und meist passiert es erst nach Jahren, dass jemand ein Tribute- oder Coveralbum aufnimmt, um alten Vorbildern die verdiente Ehre zu erweisen. Indirekt heißt das dann auch, dass man sich souverän in den eigenen kreativen Bahnen bewegt und es sich leisten kann, die Songs anderer zu spielen. Weiterlesen

THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE: From The Stairwell

Darkjazz und kein Ende. Nachdem Denovali Records vor kurzem erst „Anthropomorphic“, das neueste Produkt des Zweitunternehmens THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION ins gedämpfte Gaslicht entließ, legt das Stammprojekt THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE gleich nach. Weiterlesen

THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION: Anthropomorphic

Doomjazz, Darkjazz, wären die beiden Bands, die solche Begriffskonstrukte im Namen tragen, nicht durchweg cool und mit einer stilvollen Mixtur aus Unnahbarkeit und Ironie ausgestattet, müsste man sie als Kategorien wohl ablehnen. Ernsthaft betrachtet klingen sie nämlich prätentiös und suggerieren, es handele sich um Spielarten des Jazz. Es handelt sich aber um Spielarten des Ambient, um recht virtuose und reichhaltige zudem. Ernst gemeint sind sie ohnehin nicht. Weiterlesen