NIEDOWIERZANIE: Lumière

Beim derzeitigen Output Niedowierzanies kann man schon mal den Überblick verlieren, erst recht, was die Reihenfolge der zur Zeit meist auf Tape erscheinenden Alben des in der Nähe von Barcelona lebenden Franzosen betrifft, denn die Chronologie der Veröffentlichungen deckt sich nicht immer mit der der Aufnahmen. “Lumière”, das erstmals beim amerikanischen Label Lighten Up Sounds erschienen ist, ist so etwas wie ein elektronischer Wechselbalg des zwar nicht ganz handgemachten, aber doch von seinen vielen Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Tout les Chemins de Mon Pays

Niedowierzanie gibt es mittlerweile seit gut zehn Jahren, und auch wenn die zahlreichen Veröffentlichungen alle ihren eigenen Charakter haben, zieht sich durch sie doch ein gemeinsamer, unverkennbarer Stil, der durch augenzwinkernde Genre-Ungetüme – „nonchalant mediterranean muzak, paranoid soundscapes, bohemian folk misery“ – gar nicht einmal schlecht umrissen ist: verträumte Figuren auf der Mandoline und anderen Saiteninstrumenten, die verschiedene, meist südeuropäische Folktraditionen in Erinnerung rufen, verschwimmen mit vielfarbigen ambienten Landschaften teils digitaler Herkunft, teils basierend auf verfremdeten Akkordeon- und Celloklängen, und immer wieder ereignen sich Weiterlesen

V.A.: Where Words Fail, Music Speaks. For Ania

Viele von uns älteren Semestern blicken bisweilen nostalgisch auf die Zeit zurück, als viele Spielarten dunkler Musik noch eine gut vor der Öffentlichkeit gehütete Einheit bildeten. Dunkle, industrielle Lärmorgien, ambient dröhnende Soundscapes, Rituelles und mystische Folksongs – es gab eine Zeit, in der das alles irgendwie zusammengehörte, eine eingeschworene Gemeinschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen bildete und von der Außenwelt doch meistens ignoriert wurde. Mittlerweile hat beinahe alles seine eigene Subkultur, zugleich herrscht ein unübersehbares Angebot an oft nur noch Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Atalante

In den letzten Jahren ist Leo Maury mit Niedowierzanie und diversen Zusammenarbeiten äußeres produktiv gewesen, und man kann sich den introvertierten Kauz gut in einem abgedunkelten Appartement vorstellen, wo er zwischen Weltschmerz und Hyperaktivität ständig an neuer Musik bastelt. Was dabei herauskommt erreicht immer wieder den Umfang und die Stimmigkeit eines Albums, anderes dagegen bleibt Einzelphänomen und landet vielleicht auf seiner Soundcloud. Die Aufnahmen, die vor kurzem unter dem Titel „Atalante“ auf Bandcamp erschienen sind, entstanden vor Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Paradies

In dieser Welt ein Album nach dem Paradies zu benennen ist nicht nur ein starkes Stück, sondern geradezu ein Unding – es sei denn, das Album gestaltet sich als aufwühlende Klage, die die ganze Gewaltsamkeit transportiert, die dem Glauben oder auch nur dem Wunsch nach einem paradiesischen Zustand innewohnt und sich sehenden Auges gegen alle Abgeklärtheit sträubt, welche die Wirklichkeitserfahrung naturgemäß mit sich bringt. Léo Maury, besser bekannt unter dem Namen Niedowierzanie (Polnisch für „Misstrauen“ oder auch „Eifersucht“), bezeichnet seinen neuen Longplayer selbst als Lamento, als Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Felicita

Leo Maury und sein Projekt Niedowierzanie sind längst ein fester Bestandteil jener kleinen Nische, die sich irgendwann im neuen Jahrtausend aus dem experimentierfreudigeren Teil der Post Industrial-Szene herauskristallisiert hat, um die Fühler in alle musikalischen Himmelsrichtungen auszustrecken und dabei doch nie vollends in anderen – „psychedelischen“ – Genres aufzugehen. Die Rede ist von dem Musikkosmos, in dem auch Namen wie Novy Svet, O Paradis, Wermut oder Escama Serrada umherschwirren. Maurys Musik mag dem Wesen nach Ambient sein, doch pendelte sie stets an der Grenze zwischen einem verträumten europäischen Folksound und leicht rhythmischer Musik mit Reminiszenzen an die Tradition des Cold Wave. Weiterlesen

NIEDOWIERZANIE: Attendre

Immer wenn man denkt, atmosphärische elektronische Musik sei nun endgültig an ihrem Ende angelangt und friste ein überwiegend epigonales Dasein, stößt man unvorbereitet auf eine Platte, die so gar nicht langweilig und verbraucht klingt und es im Handumdrehen schafft, dass man alle Vorurteile wieder über Bord wirft. „Attendre“, das zweite Album dieses Projektes mit dem polnischen Namen, den ich mir nie länger als zehn Sekunden behalten kann, ist so ein Fall. Niedowierzanie, wie der in Deutschland lebende Franzose Léo sein musikalisches Medium nennt, steht für Weiterlesen