V.A.: Uchronia

Mit dem Begriff Uchronia oder Uchronie bezeichnet man alternative geschichtliche Entwicklungen, die entweder als Fiktion oder als Korrektiv die gängige Vostellung von Zeitabläufen herausfordern. In der Geschichtswissenschaft gab es immer wieder Paradigmenwechsel, bei denen der Ablauf historischer Ereignisse unter ganz neuen Blickwinkeln betrachtet wurde oder der Fokus auf bislang wenig beachtete Ereignisfolgen gerichtet wurde. Im Zuge dessen entstanden neue Fachrichtungen wie die Sozialgeschichte oder die feministische Geschichtsschreibung, um nur Weiterlesen

TASJIIL MOUJAHED: The Death of Permanence

Ein interessantes Oxymoron ist er, der Titel „The Death of Permanence“, denn wenn etwas Beständiges zu Ende geht, ist es nie beständig gewesen. Vielleicht klingt darin der zaghafte und zugleich mutige Wunsch an, das Unmögliche wirklich werden zu lassen. Vielleicht auch die Furcht davor, doch dafür klingt die dunkle Electronica von Tasjiil Moujahed nicht idealistisch und auch nicht konservativ genug. Weiterlesen

MUNMA: No Apologies

Da die Neigung, Unterschiede als Gegensätze wahrzunehmen, recht verbreitet ist, klafft auch zwischen den Welten der „elektronischen“ und der „experimentellen“ Musik ein Abgrund, der weniger über die Musik aussagt, als über einen Großteil ihre Hörer. „No Apologies“ von dem hierzulande noch mysteriösen Geheimtipp Munma ist eine Platte, die in Gazetten wie De:Bug passt und in Locations gespielt wird, in die sich der Staalplaat-Hörer und A-Musik-Kunde in der Regel nicht verläuft. Was schade ist, denn die dunklen Kollagen des Bastlers aus Beirut dürften genreübergreifend Gefallen finden, vorausgesetzt, man braucht es nicht allzu eingängig und hat grundsätzlich eine Schwäche für Frickeleien. Weiterlesen

V.A.: 30.2. Electronica, Experimental and Noise from Africa

Als William Bennett vor nunmehr sechzehn Jahren den Sampler „Extreme Music from Africa“ herausbrachte, wurde das Projekt gerne augenzwinkernd als Lausbubenstreich abgetan, als das Machwerk eines Selbstdarstellers, der sich gerne mit obskuren Exotica umgibt und irgendwann die Grenzen seiner eher „weiß“ konnotierten Power Noise-Schublade erweitern wollte, die er irgendwann dann auch erfolgreich hinter sich gelassen hat. Doch unabhängig von all den naheliegenden Vermutungen, ob es sich bei den vertretenen Projekten schlicht um ihn selbst handele, kam der Compilation damals auch ein Verdienst zu – er deutete im Rahmen einer äußerst stark an die Kernländer der Industriegesellschaft und ihre Spätformen gebundenen Gegenkultur an, dass ihre Weiterlesen

LITTER: Newfound Grids

Freilich, es gibt immer wieder Debütalben, die einen ausgesprochen reifen Eindruck hinterlassen, und beim heutigen Stand der Aufnahme- und Produktionstechnik lässt sich Musik auch ohne viel Erfahrung gut frisieren und klanglich ausdifferenzieren. Ab und an klingt so etwas dann nicht einmal leer und seelenlos. „Newfound Grids“ dagegen, der Erstling der Künstlerin Elyse Tabet, hinterlässt den Eindruck, auf guter Vorarbeit aufzubauen. Das mag damit zu tun haben, dass die unter dem Pseudonym Litter zeichnende Musikerin schon seit Jahren im Metier Videokunst aktiv ist und dort Erfahrungen im Umgang mit Technologie, Ästhetik und nicht zuletzt auch Sound sammeln konnte. Weiterlesen

V.A.: Art of the Muses. An Experimental Music Compilation featuring ten Female Composers from Far East Asia

Es ist schwierig, sich zum Konzept des Samplers „Art of the Muses“ zu äußern, ohne ins Diskutieren zu geraten, sich – eventuell kontrovers – zu positionieren oder verschiedene Standpunkte gegeneinander abzuwägen. Definiert man Musikerinnen nach ihrem Geschlecht und darüber hinaus nach ihrer Herkunft aus nicht-westlichen Ländern, tritt man schnell in diverse Fettnäpfe. Ist es nach wie vor notwendig, darauf hinzuweisen, dass experimentelle Musiksparten keineswegs reine Männerdomänen sind? Schafft man durch derartige Hervorhebungen nicht erst die Vorstellung vom Ausnahmestatus weiblicher Klangkunst, der man ein entsprechendes Talent, zumindest auf den ersten Eindruck, gar nicht zugetraut hätte? Und gilt nicht ähnliches für die Musikerin und auch den Musiker aus Fernost, wenn sie oder er sich Weiterlesen