ANEMONE TUBE: In the Vortex of Dionysian Reality (CD)

Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine derart ergänzte und bearbeitete Reissue des vor knapp zwei Jahren erschienenen Tapes, dass das Digipack mit dem neuen Artwork als ein fast neues Release durchgehen kann. Die sechs ursprünglichen Tracks bilden in remasterter und hier und da Weiterlesen

TRAPPIST AFTERLAND BAND: Like a Beehive, the Hill was Alive

Während einer Nahtoderfahrung wandert ein Mann durch eine imaginäre himmlische Landschaft, am Horizont erheben sich eine Reihe von Hügeln. Je näher der Wanderer den Hügeln kommt, umso mehr scheinen sie sich wie lebende Wesen zu bewegen – im Rahmen eines derartigen Bewusstseinszustandes bedarf es keiner logischen Erklärung, und doch kommt diese bei genauerem Hinsehen: unzählige Menschen befinden sich, Bienen auf einem Bienenstock gleich, auf der Erhebung, bedecken ihre ganze Oberfläche und wimmeln geschäftig hin und her. Als Adam Cole von der Weiterlesen

GRAILS: Chalice Hymnal

Kann man hier schon von einem Comeback reden? Ganz früh in diesem Jahrzehnt machten Grails als Grails zuletzt von sich reden, nach ihrem von Fans und Journaille gefeierten „Deep Politics“ richteten sie ihren kreativen Fokus aber zunächst auf andere Bandprojekte wie Om, Watter, das fast poppige Songwriter-Projekt Holy Sons und den seltsamen, aber reizvollen Hybriden Lilacs & Champagne. Es scheint, als haben all diese Exkurse Alex Hall, Emil Amos und Zak Riles gut getan, denn „Chalice Hymnal“ klingt um einiges frischer und unverbrauchter Weiterlesen

OISEAUX-TEMPÊTE: Al-’An!

Ich denke zwar nicht, dass es da ein festes Bandkonzept gibt, aber bei Frédéric D. Oberland und Stéphane Pigneul, die sich Oiseaux-Tempete – Sturmvögel – nennen, steht bisher jedes Album im Kontext einer Reise. Während der Entstehung ihrer beiden ersten Platten verbrachten die in Paris lebenden Musiker eine Zeit in Griechenland und in der Türkei und ließen ihre mitgebrachten Ideen mit spontanen Einflüssen vor Ort zusammenfließen. Während Samples der Umgebung, Einflüsse der lokalen Musik und vor allem die vielfältigen politischen und ökonomischen Weiterlesen

HERMANN KOPP: Cantos Y Llantos

Auf seiner inzwischen vierten Veröffentlichung für Galakthorrö knüpft Hermann Kopp, der auf seiner Webseite seine Musik als „haunting sounds for extreme visions“ bezeichnet, an sein bisheriges Werk an. Schon auf seinem 1983 veröffentlichten lapidar „Pop“ betitelten Fulltime-Debüt ging es weniger um denselben, sondern fand man am „Nudistenstrand“ nicht Begehrliches als vielmehr eine „öde Fleischlandschaft“. Kopps thematische Interessen verorteten ihn zwischen „Mondo Carnale“ und „Nekronology“ – so der Titel einer Auswahl seiner Arbeiten für Jörg Buttgereits Filme. Körperlichkeit konnte hier eigentlich nur als fortwährender, akzelerierender Verfallsprozess gesehen werden. Weiterlesen

NOISE CLUSTER: Planet of the Lost Dolls

In einem Gewirr verschiedener Kanäle am Stadtrand von Mexico City liegt die Isla de las Muñecas oder Puppeninsel, ein moorastiges, von Dickicht bewuchertes Eiland, auf dem unzählige grotesk entstellte Spielzeugpuppen an Bäumen und Sträuchern hängen. Hintergrund dieses seltsamen Kultes ist die Legende um ein Mädchen, das auf dieser Insel in den 50er Jahren ertrunken aufgefunden wurde, und von dem gesagt wird, dass sein Geist in ihrer Puppe, die nie gefunden wurde, weiterleben soll. So sah es zumindest Don Julian Santana Barrera, ein Fischer, der allein auf der Insel lebte und Weiterlesen

Ô PARADIS: Maia Convoy

Eigentlich plante Demian Recio, Ô Paradis nach den beiden von Fans recht enthusiastisch gefeierten Songalben „Naciemento“ und „Llega el Amor, Asome la Muerte“ erst einmal auf Eis zu legen. Dem entsprechend kam auch zunächst eine Compilation heraus, die besondere Stücke aus verschiedenen Phasen der beinahe zwanzigjährigen Bandgeschichte enthielt. Doch lange Pausen sind nicht sehr typisch für Demians unermüdliche Leidenschaft für’s Songschreiben, für’s Basteln mit Klängen und das Finden neuer Ideen. Viel charakteristischer ist Weiterlesen

TE/DIS: Interrogation Gloom

Musikalisch-thematisch passt das unter dem Namen Te/DIS agierende Einmannprojekt problemlos zu den anderen auf Galakthorrö veröffentlichenden Künstlern. Schließlich liegt seit der 2013 veröffentlichten „Black Swan“-EP der Fokus auf analogem Instrumentarium, auf der (Nacht)Schattenseite menschlicher Existenz. Was Te/DIS aber von den anderen (etwas) abhebt, ist der Gesang, der -wenn man das so salopp sagt- Te/DIS zum gruftigtsten Projekt auf Galakthorrö macht, denn der Bariton, der Texte über „wrecking guilty feelings“ intoniert, lässt einen vermuten, dass hier jemand Weiterlesen

MONGOLITO: Odyssee

Marc De Backer, der solo unter dem Nom de guerre Mongolito auftritt, ist viel herumgekommen, und das sowohl in musikalischer als auch in geographischer Hinsicht. Im heimischen Brüssel spielt(e) der Gitarrist in diversen Bands wie der krautigen Metalcombo Wolvennest, ebenso verdiente er sich einige Meriten als Mitglied der in den 90ers ziemlich populären amerikanischen Crossoverbands Dog Eat Dog und Mucky Pup. In seinen Soloarbeiten, die er seit einigen Jahren über Hau Ruck! unters Volk bringt Weiterlesen

TEHO TEARDO / BLIXA BARGELD: Fall

Mauro Teho Teardo hat hierzulande nie die seinem Output angemessene Aufmerksamkeit erhalten, und als vor einigen Jahren seine erste gemeinsame LP mit Blixa Bargeld erschien, hielten es viele zunächst für ein weiteres einmaliges Seitenprojekt des Sängers der Einstürzenden Neubauten. Nach zwei weiteren gemeinsamen Veröffentlichungen und der Erfahrung, dass Teardos leicht elektrifizierte kammermusikalische Arrangements sehr stimmig mit dem gewohnt sperrigen Beitrag des Berliners interagieren, betrachteten einige Kommentatoren das Duo nun als ein den Neubauten fast Weiterlesen

ZU: Jhator

Wenn man bisher etwas über ZU zu lesen bekam, war meistens von einem sehr wilden, oft tonnenschweren Hybrid aus Jazz, Metal und allem, was auf -core endet, die Rede, und bei Vergleichen war man schnell bei Gruppen wie Painkiller und Naked City. Dazu passt auch die Mutmaßung, das die Band sich einst nach einem Song von James Plotkins Grindcore-Kapelle Old Lady Drivers benannt haben soll. Befasste man sich etwas genauer mit dem Werk der Italiener und hörte sich auch die Kollaborationen an, dann registrierte man schnell, dass die Weiterlesen

DA-SEIN: Death Is The Most Certain Possibility

Debütierte das in Madrid ansässige Duo auf Galakthorrö 2015 mit seiner „Tautology“-7‘, folgt nun das erste Album, das im Titel auf den Philosophen verweist, dem die Band ihren Namen verdankt und den Thomas Bernhard in Alte Meister in inzwischen notorisch gewordenen Invektiven als „Pantoffel- und Schlafhaubenphilosoph der Deutschen“ bezeichnete. Weiterlesen

DUNE MESSIAH: The Iron Oak

In seinen reinsten und typischsten Ausprägungen ist Neofolk nicht sonderlich variationsfähig und auf Dauer auch nicht wirklich spannend. Was dem Genre über die Jahre sein Überleben gesichert hat, war die Kombination solcher Musik mit Stilelementen jenseits des Post Industrial-Kosmos. Nicht erst in den letzten Jahren haben sich Einflüsse von Post Punk (Cult of Youth), Americana (King Dude), Cabaret (Spiritual Front) und Prog (späte Sol Invictus) bewährt. Weiterlesen

PHARMAKON: Contact

Margaret Chardiets Arbeit als Pharmakon hat in den letzten Jahren erhebliche Resonanz erfahren – gerade abseits der üblichen Genrepublikationen. Auch das aktuelle (inzwischen vierte) Album ist da keine Ausnahme: Lead Review in The Quietus, lange Rezension in The Wire, Interview in The Village Voice – um nur drei Beispiele zu nennen. Wie bei Puce Mary stellt(e) sich die Frage, wie viel all das damit zu tun hat, dass die Musik auf einem angesagten Label erscheint und zudem hier kein adipöser Kraftelektroniker an den Knöpfen dreht, sondern eine junge Frau. Weiterlesen

CONSTANTINE: Day of Light

In den letzten Jahren sind im Folkbereich immer mehr Künstler aufgetaucht, denen man gegönnt hätte, schon vor gut zehn Jahren dabei gewesen zu sein, als der Fokus einflussreicher Medien, Labels etc. vermehrt auf solche Musik gerichtet war und im Zuge dessen nicht immer nur die talentiertesten und originellsten Acts groß geworden sind. Etwas später, im Zeitalter der sozialen Netzwerke und Streaming-Plattformen, herrschte schon bald ein solches Überangebot an auch derartiger Musik, dass man einige interessante Projekte leicht übersehen konnte. Ein hierzulande Weiterlesen

MUTE SWIMMER: Air Itself

Es sind Fragen, die vermutlich so alt sind, wie die menschliche Kreativität: Wer oder was ist eigentlich die treibende Kraft hinter einer künstlerischen Aussage? Wer spricht, wenn man den Worten eines Songs zuhört? Gibt es da ein souveränes Ich, das allein über den Aussagegehalt entscheidet, oder sind es andere Faktoren wie z.B. das Umfeld des Künstlers oder die typischen Themen seiner Zeit? Freilich ziehen solche Fragen immer wieder auch die Schwätzer an, weil man mit ihnen so schön Weiterlesen

We see our era as an apocalyptic one: Interview mit Winter Family

Seit einer Reihe von Jahren veröffentlicht das aus Ruth Rosenthal und Xavier Klaine bestehende französisch-israelische Duo unter dem Namen Winter Family eine dronegeschwängerte, düstere Musik. Untermalt von Harmonium oder Klavier spricht und singt Rosenthal ihre Texte. Auf ihrem aktuellen Album “South From Here” gibt es eine kleine musikalische Änderung – eher eine Ergänzung als einen Kurswechsel – , finden sich doch auf einigen Stücken partiell rhythmische und ruppigere Elemente. Der etwas augenzwinkernd betitelte Weiterlesen

NAKAMA: Most Intimate

Nakama, das internationale Quartett um den norwegischen Bassisten Christian Meaas Svendsen, betonen, dass ihre Alben nicht konzeptionell ausgerichtet sind, die Band selbst jedoch scheint einem Motto zu folgen, nämlich dem eines Kollektivgedankens, bei dem niemand dem anderen untersteht und doch alle stark auf die anderen bezogen sind – und, wie sie sagen, aufeinander aufpassen. Ihr Name bedeutet im Japanischen auch so etwas wie „Kamerad“. Weiterlesen

SHIELD PATTERNS: Mirror Breathing

Shield Patterns lassen sich kaum in einbem Satz oder gar mit einem Begriff charakterisieren. Zu allgemein klingt ein Wort wie experimenteller Pop, zu weit ausgeholt wäre eine Beschreibung als Musik, die Wave, Dreampop, eine Brise Jazz und Improv sowie eine fragile Postrock-Attitüde unter einen Hut bringt. Mehr Sinn hat es, die Sensibilität und Emotionalität hervorzuheben, die das englische Duo aus Claire Brentnall und Richard Knox in die detailreichen Arrangements aus Weiterlesen