SQÜRL: The Dead Don’t Die

Jim Jarmusch hatte vor einigen Jahren mit Only Lovers Left Alive eine überzeugende Meditation auf das Vampirmotiv abgeliefert. In seiner gesamten Karriere hat Jarmusch sich immer (auch) in dem zurechtgefunden, was (vereinfachend und oftmals pejorativ) als Genrekino bezeichnet wird: Man denke etwa an Dead Man  oder Ghost Dog. The Dead Don’t Die, sein jüngster Film, der sich mit der augenblicklich wohl populärsten Form des Untotens beschäftigt, wirkte dagegen trotz (oder vielleicht wegen) metafiktionaler Elemente, Weiterlesen

CHUPAME EL DEDO: No Te Metas Con Satan

Ursprünglich, so liest man zumindest, war Chupame El Dedo gar nicht als eigenständige Band gedacht, sondern nur als launiger Offshoot von ebenso launigen Kapellen wie Romperayo und Meridian Brothers, mit dem Zweck, lateinamerikanische Rhythmen mit der Energie und den Themen des Grindcore und Death Metal zu verbinden – beides genießt in ihrem Heimatland Kolumbien ja durchaus eine gewisse Popularität. Weiterlesen

Von Kuurandia nach Eutopia und zurück. Interview mit der Musikerin Yuko Araki

Yuko Araki ist nicht nur Multiinstrumentalistin, sondern auch Multistilistin. In den letzten Jahren hat die in Tokio lebende Künstlerin einige Gruppen ins Leben gerufen, deren Musik von Acid House über Doom- und Black Metal-angehauchte Neoklassik bis zu imaginärem rituellem Folk reicht – eine musikalische Bandbreite, zu der sie Gesang, Percussion, Piano, diverse Elektronik und einiges mehr beisteuert. Auf ihrem Weiterlesen

PHARMAKON: Devour

In den letzten Jahren sind vermehrt Künstlerinnen in den Fokus gerückt, die sich auf verschiedenste Weise des Noise als Ausdrucksmittel bedienen: ob in einer originellen Mischung mit Hip Hop und Afrofuturismus wie bei Moor Mother, ob als (gebrochen) sakrale Musik – die sich gleichermaßen aus Metal und Industrial speist – wie bei Lingua Ignota oder mit Anlehnung an Soundtracks wie bei Puce Mary. Weiterlesen

V.A.: Four Corners of the Globe

Das in der Amsterdamer Innenstadt gelegene Veranstaltungszentrum Occii, einst aus der “Hocker” (Hausbesetzer)-Bewegung hervorgegangen, hat sich bei der Auswahl seiner Konzerte einen viel missbrauchten Begriff auf die Fahne geschrieben: die Freiheit. Freiheit nicht im Konsum, sondern gerade jenseits der Sachzwänge des Kommerzes in der Musik, die im Grunde seit der Industrialisierung m.o.w. alle Musikarten bestimmen, Freiheit von aufoktroyierten Mode- und Genrediktaten und Weiterlesen

HIJOKAIDAN: King of Noise

Wenn die Pioniere des (un)gepflegten Lärms schlechthin ein Album “King of Noise” nennen, fieseste Tracktitel verwenden und sich dabei bei aller Entgrenztheit keinen erratischen Moment leisten, kann nur ein Klassiker daraus werden, und folglich wurde das 1985 beim hauseigenen Alchemy-Label herausgekommene Werk auch immer herangezogen, wenn es um essenzielle Wegmarken der noch heute aktiven Noiseveteranen aus Kyoto ging. Weiterlesen

TROUM / MONOCUBE: Contemplator Caeli

Schaut man in den nächtlichen Sternenhimmel, so können sich schnell ganz verschiedene Gefühle einstellen: So kann man sich angesichts der schieren (und tatsächlich unvollstellbaren) Größe des Kosmos sehr schnell seiner eigenen Insignifikanz bewusst werden, kann ob der „empty spaces between stars“ (Robert Frost) und des „Schweigens dieser unendlichen Räume“ (Pascal) erschauern – oder aber man kann eine Verbundenheit mit diesen kaum (er-)fassbaren Dimensionen verspüren. Weiterlesen

G.A.M.S.: s/t

Wenn man alle Bestandteile aufzählen wollte, die für Rock und viele andere Musik wesentlich ist, dann wären Rhythmus und Feedback wahrscheinlich ganz oben auf der Liste. In ihren typischen Formen, die mannigfaltig sind, haben diese Komponenten etwas Selbstverständliches, das einem erst auffällt, wenn es fehlt. Drummer Andy Stecher und Gitarrist Guido Möbius machen so gesehen etwas Ungewöhnliches, wenn sie auf ihrem gemeinsamen Projekt G.A.M.S. Rhythmus und Feedback aus ihrem vertrauten Ort holen und ins Weiterlesen

DUNE MESSIAH: Moments of Bliss

Augenblicke der Glückseligkeit, ein bescheidenes und zugleich vermessenes Ziel, das keinem Bedrückten und Getriebenen fremd ist, das man an ganz unterschiedlichen Orten suchen und in besonderen Momenten vielleicht finden kann: Im künstlichen Paradies des Drogenrauschs und in leichteren, lediglich verträumten Formen eines regressiven Eskapismus, ebenso im exakten Gegenstück, der konzentrierten, meditativen Selbstbestimmtheit. Für den Dänen Magnus Westergaard von der nur schwer zu definierenden Weiterlesen

V.A.: Seitō: In the Beginning, Woman Was the Sun

Seitō, das übersetzt Blaustrumpf oder blauer Strumpf bedeutet, war eine literarische Zeitschrift, die von 1911 bis zu ihrem Verbot 1916 in Tokyo herausgegeben wurde und sich zum Ziel setzte, der japanischen Frau eine Stimme zu geben bzw. diese aus ihrer aufgezwungenen Marginalität zu befreien. Wie der Titel der Publikation schon nahelegt, war der Ansatz stark von der europäischen Frauenbewegung inspiriert, doch wenn die als leitende Herausgeberin fungierende Feministin Hiratsuka Raichō in einem zentralen Text auf den Weiterlesen

CARL STONE: Himalaya

Wie ein Schwamm saugt der leidenschaftliche Welt- und Zeitreisende Carl Stone immer wieder neues Input auf, um aus den unterschiedlichsten Zutaten mit Tape- und Computertechnik überraschend stimmige Musik zu komponieren. Die auf “Himalaya” versammelten Stücke nahm der Elektroakustiker und ehemalige Präsident des American Music Center in den letzten sechs Jahren mit Hilfe von Künstlern aus verschiedenen asiatischen Regionen und einem großen Sack an Field Recordings auf – das Resultat ist Weiterlesen

V.A.: Drone-Mind // Mind-Drone Vol 7

Auf dem siebten Teil der „Drone-Mind // Mind-Drone“-Reihe präsentieren wieder vier Künstler aus unterschiedlichen Ländern „the various sides of today’s experimental drone music“, wie es von Labelseite heißt und erneut wurde ein Gemälde von Pete Greening für das Cover verwendet, der über seine Arbeiten sagt: „My paintings explore the optical effects of linear distortion and arithmetical progression. The patterns and colours used are carefully selected to create either an optical illusion of movement, or to create a feeling of tension on the surface of the painting.“ und damit Weiterlesen

MONOCUBE: Substratum

Neben seiner Teilnahme an der Kollaboration mit Anemone Tube und Jarl zum Jahreszeitenzyklus von Pieter Brueghel dem Älteren hat der ukrainische Ambientmusiker Andrzej Gladuszewski alias Monocube dieses Jahr gleich noch einen Nachfolger des vor drei Jahren erschienenen Debütalbums “The Rituals” herausgebracht. Atmosphärisch intensiver und kompositorisch ausgereifter wirkt das unter punktueller Unterstützung von Antti Litmanen (Arktau Eos) und Frederic Arbour (Visions) entstandene “Substratum” schon auf den ersten Eindruck, und doch Weiterlesen

ANATOLIAN WEAPONS FEAT. SEIRIOS SAVVAIDIS: To The Mother Of Gods

Wenn sich aus einem Nebel aus elektrifziertem Rauschen und Dröhnen nach und nach die sanfte Melodie tiefer Gitarrensaiten herausschält und kurz drauf ein rasselnder Rhythmus einsetzt, wenn eine weltentrückte Flötenmelodie ein aufgewecktes Rockschlagzeug begleitet, wenn choralartiger Gesang auf dem Fundament eines sitarartigen Kreisens eine erhabene Melodie anstimmt, dann denkt man wahrscheinlich als letztes daran, dass hier ein DJ am Werk war, der seit langem in der internationalen Clubszene renommiert ist, und dessen Dancemusik ihre Wurzeln sogar Weiterlesen

MAGNA PIA: Daiauna

Wenn eine gewisse Ausdrucksreduziertheit mit einem Sinn für feine Nuancen zusammenkommt, kann durchaus gute Musik dabei herauskommen. Vieles in Magna Pias “Daiauna” spielt sich im Hintergrund ab. Dumpfe perkussive Schläge, irgendwo am hinteren Ende eines Szenarios, sanftes elektrisches Dröhnen, das vielleicht den Sound einer Nej oder eines ähnlichen Blasinstrumentes enthält. Metallenes Klingeln und mit der Zeit auch etwas deutlicher das Piano, das in der elektronischen Soundart des Weiterlesen

THE CRAY TWINS: In the Company of Architects

Ihren Namen haben die beiden Schotten Paul Baran und Gordon Kennedy wohl den Kray-Zwillingen, einem Londoner Gangster-Duo der 50er und 60er Jahre, entlehnt. Und ebenso wie diese sind die beiden Komponisten gut vernetzt, in ihrem Fall in lokale und überregionale Musikszenen, aus denen sie immer wieder mehr als eine Handvoll Gastmusiker rekrutieren. Nach dem Debüt “The Pier”, an dem unter anderem BJ Nilsen mitwirkte, ist nun Weiterlesen

LINGUA IGNOTA: Caligula

Kristin Hayter ist mit ihrem nach Hildegard von Bingen benannten Projekt innerhalb kurzer Zeit relativ erfolgreich geworden: Wurde „All Bitches Die“ ursprünglich im Selbstverlag veröffentlicht, fand das Album ein Jahr später bei Profound Lore eine Heimat und der Nachfolger „Caligula“ hat inzwischen einiges an medialer Resonanz gefunden – sowohl in alternativen Publikationen (Lead Review bei The Quietus) als auch in der Mainstreampresse. Weiterlesen

CURRENT 93: Soft Black Stars

Das 1998 erschienene “Soft Black Stars” war damals ein Album, auf das man sich einlassen musste. Das ganze zurückliegende Jahrzehnt lang konnte man sich daran gewöhnen, dass Current 93 überwiegend und v.a. auf ihren Longplayern einen gitarrenlastigen Folksound hatten und selbst die getrageneren Stücke einen eindringlichen Schmiss. Hinzu kam, dass die dunklen Folkgenres, mit denen man David Tibet und seine Band entgegen seiner Selbstbeschreibungen assoziierte, immer mehr Weiterlesen

PARK JIHA: Philos

Obwohl die Multiinstrumentalistin Park Jiha bereits seit 2016 unter ihrem eigenen Namen Musik herausbringt und seitdem ihr Bandprojekt 숨[suːm] auf Eis gelegt hat, ist erst das gerade erschienene “Philos” ein Soloalbum im engeren Sinne. Für dieses Werk spielte sie alle Instrumente – die einer Oboe vergleichbare Bambusflöte namens Piri, das dem Hackbrett ähnliche Yanggeum, eine koreanische Mundorgel namens Saenghwang sowie diverse Perkussions-Instrumente – selbst im Studio ein und komponierte so eine Musik, deren Weiterlesen