ANAHITA: Tourmaline

Lange bevor Folk als Weird oder Freak hip wurde, veröffentlichten (leider inzwischen nicht mehr existierende) Label wie Secret Eye aus den USA oder Camera Obscura aus Australien Musik, die oftmals Wurzeln im Folk hatte, aber sich allzu einfachen Kategorisierungen entzog. Jeanette Leech nannte in Seasons They Change, ihrer Abhandlung über “psychedelic und acid folk”, als Speerspitze, Avantgarde, aber letztlich als Zu-früh-Gekommene (um von dem Boom profitieren zu können), die Trias aus Stone Breath, The Iditarod und In Gowan Ring Weiterlesen

MICHAEL ZERANG & SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE: Illinois Glossolalia

Schon an anderer Stelle habe ich einen kurzen Abriss über die musikalische Entwicklung von Spires That In The Sunset Rise gegeben. Mit den zwei Teilen von „Ancient Patience Wills It Again“ hatte die (inzwischen zum Duo geschrumpfte) Band 2012 nach einer längeren Pause zwei homogene Alben, die nicht ganz so dissonant wie einige der Vorgänger waren, veröffentlicht. Auf dem 2015 erschienenen „Beasts in the Garden“ wurden dann erstmals Blasinstrumente ins Zentrum des Klangs gerückt. Weiterlesen

RESTIVE PLAGGONA: Committed to the Truth

Ich vermute, dass der auf Korfu lebende Dimitris Doukas schon ein paar Jahre als DJ, Plattensammler und Kollaborateur in der lokalen Musikszene unterwegs war. Restive Plaggona nennt er sich seit gut einem Jahr, und seitdem hat er ganze sechs Tapes über nerdige kleine Labels unter die Leute gebracht, hinzu kommen einige Releases zum Download, die nur unter dem Namen Plaggona firmieren. Alles, was mir bislang von ihm zu Ohren gekommen ist, rangiert im Grenzbereich von Ambient, Techno und (im weitesten Sinne) post-industrieller Elektronik. Weiterlesen

ANDREW LILES: Ninki Nanka, Yumboes & Monsters

Wenn es darum geht, Motive aus Rock, Pop und Alltagskultur in seiner Musik und seinen Illustrationen zu verwursten, macht Andrew Liles vor wenig halt, und sein Ideenfundus scheint unerschöpflich. Alles, was sich ins plakativ Monströse steigern lässt, Spaß macht und keinen biederen Ernst aufkommen lässt, riskiert, irgendwann in seine unaufhörlich rotierende Mischmaschine geworfen und so geadelt zu werden. Der zentrale Faktor ist wohl tatsächlich der Spaß an der Sache: Liles zieht ungern Dinge durch den Fleischwolf, die er nicht mag, und dies vermutlich nicht einmal aus einer Weiterlesen

GRAVETEMPLE: Impassable Fears

Es gibt wohl wenige Bands, deren Name in den vergangenen Jahren in der Presse so häufig bei Besprechungen von Drone/Metal –Platten als Referenz genannt wurde wie Stephen O’Malleys und Greg Andersons Sunn O))). Während das 2007 gegründete Burial Chamber Trio aus Anderson, Attila Csihar und Oren Ambarchi besteht/bestand, ist das ähnlich betitelte Gravetemple das Projekt von O’ Malley, Csihar und Ambarchi, das ursprünglich gegründet wurde, um in Israel zu touren. Fast könnte man sagen, dass „Impassable Fears“ das eigentliche Debüt ist, waren die Weiterlesen

PHALLUS DEI: Black Dawn

Ein in dichte, undurchdringliche Dunkelheit gehülltes Szenario, in welchem sich nur schemenhaft kleine Details zu erkennen geben. Erst mit der Zeit scheint sich das Dunkel etwas zu lichten, nach und nach geben sich immer mehr Gegenstände zu erkennen, die langsam aber merklich in Bewegung geraten. Und doch bleibt all dies so rätselhaft und unklar wie zuvor, und ganz auflösen wird sich das Dunkel ohnehin nicht. Was bleibt ist der Eidruck einer diffusen Bedrohung. So in etwa könnte man sich eine schwarze Morgendämmerung oder ein schwarzes Erwachen vorstellen. Phallus Weiterlesen

JOANNE POLLOCK: Stranger

Joanne Pollock stammt aus dem Umfeld von Aaron Funk alias Venetian Snares, mit dem sie bereits ein Projekt namens Poemss in Leben gerufen hatte. Auf ihrem ersten offiziellen Solo-Album “Stranger” – es gab zuvor diverse EPs – präsentiert sie elektronische Popsongs, bei denen Schrägheit und filigrane Eleganz keine Gegensätze sind. Inhaltlich widmet sie sich nach eigener Angabe ganz der Erkundung des eigenen Selbst. Dieses, so Pollock, muss einem zwangsläufig als fremd erscheinen, wenn man sich erst einmal aus seiner vertrauten Komfortzone herausbegeben und Weiterlesen

FOVEA HEX: The Salt Garden II

Als vor einigen Jahren Suhrkamp die deutsche Version von A.S.Byatts Angels and Insects herausbrachte, wurden die beiden im Original zusammengefassten und lose miteinander verbundenen Novellen einzeln und mit der Gattungsbezeichnung Roman versehen veröffentlicht, was sicher damit zu tun hatte, dass -zumindest im deutschsprachigen Raum- dem Roman ein höherer Stellenwert eingeräumt als der Kurzform. Weiterlesen

MARK FOSSON: Solo Guitar

Anders als im Fall von John Fahey oder Robbie Basho ist Mark Fossons Name außerhalb seiner amerikanischen Heimat weniger bekannt, gleichwohl er auf eine ereignisreiche Karriere von fast fünfzig Jahren zurückblickt. Der besagte Fahey war es auch, der als einer der ersten den Wert von Fossons einfachen, aber gefühlvollen Fingerstyle-Ornamenten erkannte und seine Aufnahmen eigentlich auf seinem Takoma-Label herausbringen wollte, was aber aufgrund einer Insolvenz ins Wasser fiel. Fosson, der wegen dieses Plans von Kentucky nach Weiterlesen

GERMAN ARMY: Pyura Chilensis

Wer German Army mal ein Jahr lang nicht verfolgt hat, merkt schnell, wie viel man in so kurzer Zeit verpassen kann. Seit dem bisher einzigen Vinyl-Album „Kalash Tirich Mir “ und der Split mit Novy Svet, die beide Ende 2015 erschienen sind, sind von der mysteriösen Formation aus dem kalifornischen San Bernardino wieder eine Reihe an Tapes heraus gekommen, und wenn die online hörbaren Aufnahmen repräsentativ sind, dann hat sich an der grundsätzlichen Ausrichtung im Grenzbereich von Rhythm Noise, Minimalismus und ritueller Exotik erst einmal nichts geändert. Das ist auch Weiterlesen

CELER / DIRK SERRIES: Background Curtain

Bei einem Dauerproduzenten wie Will Long alias Celer, der keine Pause zu kennen scheint und in den letzten Jahren dutzende Releases herausgehauen hat, bleibt es nicht aus, dass sich der eine oder andere Entwurf als Sackgasse erweist, auf die der eigene kreative Fluss mit einer Blockade reagiert. Manchmal mag der Papierkorb der beste Freund des Schaffenden sein, doch wenn da Gefühl nicht losbekommt, dass in einem scheinbar unbearbeitbaren Fragment doch noch Potenzial steckt, liegen zwei Lösungen nahe: Die eine wäre, etwas Weiterlesen

GUY HARRIES: Fault Line

Guy Harries, Londoner mit israelischen Wurzeln, arbeitet unermüdlich an meist mehreren Baustellen. Soundart, Songwriting, Arbeiten für Oper, Theater, Tanz und Multimedia-Projekte, Laptopmusik, Stimme und Holzbläserei. Wahrscheinlich wäre er noch um einiges bekannter, wenn er sich von Beginn an auf weniger Schwerpunkte konzentriert hätte, doch der Preis dafür wäre ein Brachliegen etlicher Talente gewesen. In unsere Umlaufbahn geriet er erstmal durch seine Beteiligung am Orchestra Noir-Album „What if“. Weiterlesen

DREW MCDOWALL: Unnatural Channel

Erst 2015 hat der ehemalige Coil-Mitstreiter Drew McDowall sein Solodebüt vorgelegt. „Collapse“ war ein Album , über das ich damals schrieb: „ Das ist dystopische Musik jenseits billiger Schockeffekte“. Über sein einige Zeit später veröffentlichtes Tape “Haecceity Deluge” hieß es auf diesen Seiten: „Bisweilen tastet sich der Fluss der Klänge fast schon erratisch voran, scheint auf der Stelle zu treten, doch bei McDowall hat das nichts mit Ereignislosigkeit zu tun, sondern mit Spannung“. Inzwischen ist McDowall nicht mehr aus der Geräuschmusik wegzudenken, arbeitet regelmäßig mit anderen Künstlern zusammen und hat nun mit „Unnatural Channel“ sein zweites Album veröffentlicht. Weiterlesen

OFFICINE SCHWARTZ: Colonna Sonora Di Remanium Dentaurum Cr Co Mo (CD / DVD – Reissue)

Als der Begriff Industrial erstmals in der Musikgeschichte auftauchte, bezog er sich primär auf den Einfluss von Produktions- und Konsumverhältnissen auf den gesellschaftlichen Stand der Dinge in den 70ern. Dass die „Industrial Music for Industrial People“ des nach diesem Begriff benannten Labels in ihren rauen und kühlen Klängen zumindest entfernt an das Maschinelle der Industrieproduktion erinnerte, lässt sich als konsequente Symbolsprache begreifen. Dass dieser Sound einmal das Urbild einer bis Weiterlesen

MIKE COOPER: Raft

Der musikalische Werdegang Mike Coopers seit seinen Anfängen in den späten 60ern hat etwas von einer Slalomfahrt durch zahlreiche musikalische Niemandsländer – keine Irrfahrt, denn seine maßgeblich inspirierende Rolle in Psychedelic, Blues und verdrehter Folklore hat ihn nie dazu gebracht, sich mit all dem zu sehr zu identifizieren, weshalb sein Weiterziehen auch selten aus enttäuschten Illusionen heraus geschah. Weiterlesen

ZEITKRATZER / ELLIOTT SHARP: Oneirika

Elliott Sharp, der seit den 70ern als Komponist und Virtuose an verschiedenen Instrumenten in Erscheinung tritt, ist nicht nur ein Grenzgänger der Musiksparten – Studium bei Morton Feldman, Kollaborationen mit John Zorn, Bill Laswell, den Hi Sheriffs of Blue u.v.a. – sondern auch sehr frei im Hinblick auf die Umsetzung seiner Kompositionen. Um den Interpreten weitgehend freie Hand zu lassen, hat er eine Methode entwickelt, seine Partituren mittels Photoshop soweit vage zu machen, dass die Musiker nur noch einen grob richtungsweisenden Anhaltspunkt haben. Weiterlesen

DIVUS: s/t

Ungleiche Duette gibt es viele, doch Lucianno Lamanna und Luca T. Mai haben sich, wie es scheint, gerade zur richtigen Zeit zusammengefunden, um ihre so unterschiedlich gediehene Kreativität in eine gemeinsame Bahn fließen zu lassen. Lammana, dessen Wurzeln im Techno liegen, bewegte sich in seinen jüngsten Projekten immer mehr in experimentellen Gefilden, eine Wegmarke war das Split zwischen seinem Projekt Lunar Lodge und Mai Mai Mai. Der Saxophonist Mai, aufgewachsen mit Metal, Punk und Hardcore, hat in Weiterlesen

L’OCEAN: Primio

Der Anfang von L’Oceans Debüt „Primio” wirkt fast ein wenig irreführend, denn bei dem ganz schön kratzigen, übersteuerten Noisesound gehen die entspannten Gitarrentwangs und die sparsamen Taktanschläge auf dem Klavier geradezu unter, zumindest für eine gewisse Zeit. Immerhin steht schnell fest, dass es bei den gemächlichen Downtempo-Akkorden nicht (nur) um Schöngeistiges geht. Vielmehr steht hier alles im Zeichen einer Suche, die sich im Trial and Error-Verfahren durch Weiterlesen