YANNICK DAUBY / HITOSHI KOJO: La Vie dans les Airs et dans les Eaux

Bei der von Drone Records veröffentlichten „SUBSTANTIA INNOMINATA ”-10‘-Reihe geht es weniger um eine musikalische als vielmehr um eine thematische Ausrichtung: Der Schwerpunkt liegt bei allen Veröffentlichungen bei “The Un-known, The Un-nameable, The Unspeakable, The Un-thinkable, etc.: Various aspects related to ´The Unknown‘”. Auf „La Vie dans les Airs & dans les Eaux“ arbeiten der in Taiwan lebende Franzose Yannick Dauby, der in den letzten Jahren viel mit Feldaufnahmen gearbeitet hat, und der Japaner Hitoshi Kojo, der bisher auf zahlreichen Veröffentlichungen eine vielschichtige Geräuschmusik gespielt hat, dann auch daran, diesen Vorgaben mehr als gerecht zu werden.  Weiterlesen

TEMPLE MUSIC: Εποχές (Vol. l)

Temple Music, die rituell arbeitenden Psychedeliker aus der Nachbarschaft von Orchis, Howling Larsens und den Black Lesbian Fishermen, geben nicht einfach Konzerte an beliebigen Orten mit der Auswahl ihrer besten Stücke, sondern lassen den Ort und den Zeitpunkt selbst in die Rolle des Dirigenten schlüpfen, der den Musikern – in Form seiner Symbolik und seiner atmosphärischen Wirkung – die finale Struktur ihrer vorbereiteten Motive vorgibt. Der Ansatz, den Alan Trench, Steven Robinson und ihre jeweiligen Kollaborateure verfolgen, ist pragmatisch und Weiterlesen

ALASDAIR ROBERTS: Pangs

Alasdair Roberts ist ein Mann des Zusammenführens, trotz allem hat sein Werk ein klar erkennbares Zentrum in der vielfältigen Folktradition seiner schottischen Heimat. Ausgehend von einem großen regionalen Repertoire hat er in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder Motive und Spielweisen aus anderen Teilen der englischsprachigen Welt in seine Musik eingebaut, die überliefertes, zum Teil anonymes Songmaterial und eigene Stücke verbindet. Weiterlesen

LAWRENCE ENGLISH: Cruel Optimism

Es mag etwas einseitig sein, den doch recht allgemeinen Begriff des Optimismus einzig auf die Optimierungsideologie zu münzen, die v.a. seit den 90ern den Subjektpraktiken der westlichen Gesellschaften ihren Stempel aufgedrückt hat. Mit ihrem Essayband “Cruel Optimism” hat die amerikanische Autorin Lauren Berlant jedenfalls einige Gedanken angestoßen zu den zwiespältigen Phantomjagden, die in unserer Gesellschaft unter Werten wie Leistung und Wellness vonstatten gehen. Ein Schlüsselwort ist dabei der eher im spirituellen Kontext gebräuchliche Begriff der Anhaftung, der eine starke Weiterlesen

WINTER FAMILY: South From Here

Auf ihren bisherigen Alben hatte das aus Ruth Rosenthal und Xavier Klaine bestehende französisch-israelische Duo eine dronegeschwängerte düstere Musik gespielt, auf der der Sprechgesang Rosenthals von Feldaufnahmen, Orgel, Klavier und Harmonium untermalt wurde, was einige Rezensenten Vergleiche zu Nico ziehen ließ. „South From Here“ knüpft zwar in Passagen daran an, aber das Klangspektrum ist erheblich erweitert worden. Weiterlesen

MOON DUO: Occult Architecture Vol. 1

Mit „Occult Architecture“ bringen die Psychdeliker von Moon Duo ihr nunmehr viertes Studioalbum heraus, und schon an der Stelle soll gesagt sein, dass das Werk aus zwei Longplayern besteht, die separat im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden sollen. Dies ist nicht ausschließlich dem Umfang der aktuellen Aufnahmen geschuldet, sondern ebenso sehr dem musikalischen und inhaltlichen Konzept, das ganz der dualistischen Idee des Yin und Yang, bezogen auf den Zyklus der Jahreszeiten, gewidmet ist. Der erste Teil, der gerade bei Sacred Bones erschienen ist, steht ganz im Zeichen des Weiterlesen

CATHERINE GRAINDORGE / HUGO RACE: Long Distance Operators

Wenn Catherine Graindorge und Hugo Race ihr erstes gemeinsames Album und gewissermaßen auch ihr temporäres Projekt „Long Distance Operators“ nennen, kann man das auf die geografische Entfernung münzen, die zwischen dem australischen Sänger und Songschreiber und der Belgierin, die nicht nur eine Geigerin, sondern auch Komponistin, Sängerin und Schauspielerin ist, liegt. Der Titel passt aber auch gut zur unterschiedlichen musikalischen Herangehensweise der beiden: Zwischen den dunklen, eingängigen Songs des Australiers, dessen Wurzeln im Weiterlesen

ANGELINA YERSHOVA: Resonance Night

Angelina Yershova, deren voriges Album „Piano’s Abyss“ ich vor kurzem vorgestellt habe, verfeinert seit einigen Jahren ihren hybriden Stil als Komponistin, Pianistin und Studiofrau. Schon in materieller Hinsicht ist es ihr ein Anliegen, das Potential ihres Instruments voll auszuschöpfen, denn sie kombiniert herkömmliches Tastenspiel mit vielfältigen Zugriffen auf das Innere des Flügels, bezieht also die innere „Harfe“ mit ein und nutzt verschiedene Holz- und Metallteile als Weiterlesen

NURSE WITH WOUND: The Great Ecstasy of the Basic Corrupt

Die beiden Alben „The Great Ecstasy of the Basic Corrupt“ und „Silver Bromide“ erschienen vor knapp drei Jahren auf streng limitierten LPs als art edition und sind seitdem gesuchte Sammerstücke, die Preise, die dafür im Netz geboten wurden, horrend. Da Nurse With Wound aber mehr als nur ein paar Dutzend Fans haben, war in diversen Kommentarspalten schon seit längerm der Wunsch nach regulären Wiederveröfentlichungen zu vernehmen. Dies ist nun seit kurzem geschehen, und ich erwähne beide Alben deshalb, weil Weiterlesen

MIRCO MAGNANI / ERNESTO TOMASINI: Madame E

Georges Bataille scheint durch seine Überlegungen zur Transgression oftmals der Haus- und Hofphilosoph von den Vertretern randständiger Musik zu sein, die eher am Überschreiten von geschmacklichen als von musikalischen Grenzen interessiert sind, wobei man oftmals den Eindruck hat, die Rezeption verlaufe primär über Schlagworte und gehe nicht einmal so tief wie die Juniuseinführung – ähnlich den Neofolkern, die als Lieblingsdenker Nietsche [sic] angeben. Weiterlesen

ANGELINA YERSHOVA: Piano’s Abyss

In den letzten Jahren scheint es ein großes Interesse an Inside Piano-Techniken zu geben, bei denen die Tasten ruhen und der Musiker unmittelbar auf die Saiten und diverse andere Komponenten zugreift. Bei vielen Ansätzen meint man geradezu einen Wetbewerb zu erleben, bei dem versucht wird, dem Klavier gerade die Töne zu entlocken, die am weitesten von seinem konventionellen Klang entfernt sind. Weiterlesen

ELECTRIC SEWER AGE: Bad White Corpuscle

Eine dumpf dröhnende Sci Fi-Atmosphäre verbreitet sich im Raum, irgendwann beginnen kosmische Synthies das Dickicht zu durchleuchten, das sich nach und nach als fein ziseliertes klangliches Amalgam offenbart. Vocoder-Stimmen verschaffen sich Gehör und geben dem futurischtischen Narrativ schon bald einen nostalgischen, retrolastigen Anstrich, doch was am meisten beeindruckt ist die Vielzahl an kleinen klirrenden und glühenden Ereignissen, die fast versteckt hinter kontinuierlich kreisenden Sounds aufblitzen, um sich schnell wieder in ihre Verstecke zurückzuziehen. Denn dass die Weiterlesen

OVO: Creatura

Wenn man die Musik des italienischen Duos OvO zu beschreiben sucht, läuft dies oft auf ein exzessives Termdropping hinaus: Noiserock, Ritual, Black Metal, Power Violence, dazu einen Anhauch von Bondage und Fetisch und zuguterletzt eine Angry Woman am Mikro, die so manchen Riot Girls das Fürchten lehrt. In all dem steckt etwas Wahres, doch die Ausdrucksstärke ihrer Musik, vor allem bei Konzerten, lässt die Frage, ob alle diese Referenzen bewusst gezogen werden, unwichtig erscheinen. Weiterlesen

SIELWOLF / NAM-KHAR: Oppressfield

Vor knapp zwei Jahren veröffentlichten die beiden hessischen Projekte Sielwolf und Nam-khar ihr erstes gemeinsames Album „Atavist Craft“, eine dunkle, geheimnisvolle und zugleich kantige Version ritueller Musik. Schon damals wirkte das Resultat sehr stimmig und einheitlich, so als wären die beiden Gruppen im Zuge der Aufnahmen zu einer unentwirrbaren Einheit zusammengewachsen. Dass sich dieser Eindruck auf ihrem zweiten Longplayer noch verstärkt, mag auch daher rühren, dass sie mittlerweile sehr gut aufeinander eingespielt sind und einen Weiterlesen

OFF WORLD: I

Off World ist das neue Steckenpferd des kanadischen Komponisten Sandro Perri, der einigen sicher aus der Diskografie von Constellation Records her bekannt ist, und wenn nicht unter seinem bürgerlichen Namen, dann als Polmo Polpo. Unter diesem Namen veröffentlichte er um die Jahrtausendwende einige abstrakte Electronica-Longplayer. Die Entscheidung, als Solokünstler wahrgenommen zu werden, ging einher mit dem Interesse, seine Fühler in alle nur denkbaren Richtungen auszustrecken Weiterlesen

UNICAZÜRN: Transpandorem

Auf ihrem 2013 erschienenen Album „Dark Earth Distillery“, das auf einer Reihe von Liveaufnahmen basierte, sieht man wie Stephen Thrower und David Knight – deren beider Stammbäume im Bereich experimenteller Musik weit verzweigt und verästelt sind und wohl keinerlei näheren Erläuterung bedürfen – auf Wasser schauen. Schon seit ihrem 2009 veröffentlichten Debüt „Temporal Bends” ist zur Beschreibung ihrer Musik immer wieder die Metapher des Meeres aufgetaucht (pardon the pun): „…like Jacques Cousteau meets HP Lovecraft twenty thousand leagues under the sea.”, schrieb das FREQ Magazine; Weiterlesen

WILLIAM BASINSKI: A Shadow in Time

In einem anlässlich der Veröffentlichung von Christoph Ransmayrs neuem Romans über den „Lauf der Zeit“ gemachten Interviews versucht der Journalist fortwährend dem Autoren Sätze zu entlocken, dass das Erzählen über den Lauf der Zeit triumphieren kann – einem Wunsch, dem der Österreicher nicht nachkommt: „Wenn seine [des Erzählers] Gehirnströme erlöschen, zum Stillstand kommen, und sein Herzschlag, dann ist das Spiel natürlich auch für ihn zu Ende und von einem Triumph dann noch zu reden, wäre lächerlich.“ Weiterlesen

DAIMON: s/t

Unter dem Namen Daimon arbeiten die italienischen Musiker Simon Balestrazzi, Paolo Monti und Nicola Quiriconi erstmals in Dreierkonstellation zusammen, hierzulande ist sicher Balestrazzi durch Bands wie T.A.C. und Dream Weapon Ritual der bekannteste. Ihr gemeinsames Projekt bezeichnen sie nicht nur als tief-dröhnend, sondern auch als audiovisuell, was man sicher auf die atmosphärischen Videoarbeiten beziehen kann, die Quiriconi zu einigen der Songs beigesteuert hat – eindringliche Zeitlupen-Aufnahmen einer melancholischen, aber nicht leblosen Welt, tremolierend in Weiterlesen

ARTICO CVLTO / GERSTEIN: Live Al Museo Della Fantascienza & Mental Hospital P14

Der nostalgisch aussehende Subwoofer, der dieses Tape ziert, ist Programm, denn er ist Teil fast jeder Performance des Turiner Ambient und Multimedia-Duos Artico Cvlto, das vor einigen Monaten die hier dokumentierten Konzerte aufführte und an einem der Abende das italienische Ritual- und Industrial-Urgestein Maurizio Pustianaz alias Gerstein mit ins Boot holte. Für die Shows hatte man sich mit dem Turiner Sci Fi-Museum und dem im benachbarten Collegno gelegenen Padiglione 14 zwei besondere Orte ausgesucht. Letzteres ist eine Räumlichkeit in einem ehemaligen psychiatrischen Krankenhaus, das seit rund zwanzig Jahren geschlossen ist und in der letzten Zeit vermehrt für Kulturveranstaltungen genutzt wird. Weiterlesen